+++ Teil 6 der Chronik liegt bisher nur in digitaler Form auf dieser Website vor +++
„Und solle nun nicht selbst Mangel leiden…“
Wie die wohltätige Stiftung der Dichterin Wilhelmine Luise Elisabeth von Schlieben ihr selbst fast zum Verhängnis wurde
Im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin existiert eine Akte, die brisante Informationen zu Briesen bei Brand enthält. Es geht um die Stiftung der Gutsherrin und Dichterin Wilhelmine Luise Elisabeth von Schlieben, die sie unserem Dorf und ihrem letzten Wohnort Golßen gewidmet hat. Diese Stiftung war segensreich und großzügig, wie Pfarrer Zeller in seiner Trauerrede zum Tode der Stifterin schrieb. Doch sie brachte der Dichterin viel Ärger, bürokratischen Aufwand und Unmut ein. Und drängte sie an den Rand der privaten Insolvenz. Denn was sie offenbar nicht bedacht hatte: Wenn eine Stiftung erst einmal beurkundet und vom König persönlich befürwortet und unterschrieben ist, ist es kaum mehr möglich, ihren Inhalt zu ändern. Der größte Teil dieser 51 (mit Leerseiten 77 Seiten) Seiten starken Akte befasst sich mit Änderungsanträgen der Dichterin. Da verschiedene Ministerien (für Religion und Bildung, für Finanzen etc.) involviert waren, wurden die Anträge mit Anlagen immer hin und her geschoben.
Der ganze Schriftverkehr in der Akte währte von 1820 bis 1899, als die letzte Entscheidungen getroffen wurden. Da war die Dichterin schon 47 Jahre tot.
Die originalen Anträge der Frau von Schlieben allerdings sind nicht in der Akte enthalten, aber die Kommentare dazu von den preußischen Beamten. Daraus kann geschlossen werden, worum es ihr ging. Zu vermuten ist (und Pfarrer Zeller deutet das in seiner Trauerrede auch an), dass die Stifterin mit dem eingesetzten Lehrer an der von ihr finanzierten Schule nicht zufrieden war. Ob es daran lag, dass er der praktischen Ausbildung den Vorzug vor der religiösen Erbauung der Kinder gab, kann man nur vermuten. Denn das Ministerium für Bildung und Religion bescheinigte ihm in der Akte, dass er alle für den Lehrerberuf erforderlichen Qualifikationen und Abschlüsse hat.
Deshalb versuchte das Fräulein von Schlieben vermutlich, ihn über die Streichung eines Teils seines Einkommens aus der Lehrerstelle in Briesen zu drängen. Die Stelle wurde über die Stiftung finanziert. Daran konnte sie nichts ändern. Sie wollte aber einen Teil des Geldes aus den Zinsen ihrer Stiftung, das bei Bedarf den Witwen und
Bild oben: Aktendeckel der 77 Seiten dicken Akte,Quelle:GStA PK. I_HA_Rep_77_Tit_1109_Nr_3_0002
Bild unten: Der Staatsbeamte legte fest, dass der Altsitzer Andreck nicht mehr die Anforderungen der Stiftung erfülle und somit nichts mehr aus ihr erhalten werde. Quelle: GStA PK. I_HA_Rep_77_Tit_1109_Nr_3_0073
Waisen des jeweiligen Lehrers zufließen sollte, für sich selbst haben, weil sie sich in einer finanziellen Notlage befinde. Das wurde von den Bearbeitern der Akte auch mit Verständnis aufgenommen, „da sie ihr ganzes Vermögen der Stiftung widmete und nun nicht selbst Mangel leiden solle“.
Leider ist in den Akten nicht zu erfahren, was genau von den Ministerien beschlossen wurde. Aber es muss in ihrem Sinne gewesen sein, denn Pfarrer Zeller schreibt in seiner Trauerrede nichts von finanziellen Engpässen der Dichterin. Ob es aus Rücksichtnahme auf das Andenken der Verstorbenen war oder es wirklich keine finanziellen Probleme gab bleibt im Dunkel der Geschichte.
Dafür gibt es Zahlen und Fakten in der Akte, wie genau die Stiftung den Briesenern zur Unterstützung diente. Zwei in der Gemeinde gewählte Vertreter und der jeweilig amtierende Lehrer legten halbjährlich im Januar und Juli fest, wer neben der Schule aus dem Dorfe wieviel aus der Stiftung bekommen soll.
Am Beispiel des Altsitzers Andreck (ein Altsitzer war ein Bauer, der seinen Hof aus Altersgründen an seine Nachkommen übergeben hatte und dafür im Gegenzug das sogenannte "Altenteil" erhielt) erfahren wir, welche Zuwendungen aus der Stiftung es für notleidende Bürger genau gab.
Andreck erhielt 1884 wöchentlich ein Brot, 1885 und 1886 alle vierzehn Tage ein Brot, 1887 wieder wöchentlich ein Brot und in der Zeit von 1889 bis 1899 insgesamt 100 Mark über die Jahre verteilt.
1899 aber hatte sich die Auszahlung des Geldbetrags für den Altsitzer Andreck aus bürokratischen Gründen verzögert. Daraufhin muss dieser den Lehrer derart beschimpft haben (Originaltext: „unter rohen Beleidigungen“, siehe Abbildung unten aus der Originalakte), dass dieser sich beim Ministerium beschwerte. Das Ministerium beschloss nun, dass Andreck „als unwürdig gemäß der Stiftungsurkunde“ angesehen wird und „nichts mehr erhalte“.
Das waren schon harte Zeiten und raue Sitten damals.
Jürgen Götze
Die Siegelmarken mit dem Hubertushirsch von Schloss Briesen
Jede Farbe hatte ihren eigenen Platz in der persönlichen Korrespondenz von Rittergutsbesitzer und Theater-Direktor Fritz Paul Jentz
Immer wieder mal werden auf Ebay Siegelmarken von Schloss Briesen bei Brand angeboten. Im Teil 4 der Chronik von Briesen habe ich auf Seite 147 bereits eine blaue Siegelmarke vorgestellt. Mittlerweile sind auch eine schwarze und eine rote Siegelmarke aufgetaucht. Grund genug, sich mit der Geschichte dieser Marken – die keine Briefmarken sind - zu beschäftigen.
Ihre Wurzeln haben die Siegelmarken im Mittelalter, als Siegel als wichtiges Werkzeug zur Authentifizierung von Dokumenten und zur Wahrung der Identität von Individuen und Institutionen dienten. Ursprünglich aus Wachs hergestellt, ermöglichten diese Siegel eine sichere Handhabung von Verträgen, Urkunden und anderen rechtlichen Dokumenten. Die Urkunde zur Ersterwähnung von Briesen trägt ja bekanntlich auch drei rote Wachssiegel. Die Siegelmarken vom Briesener Schloss tragen kein Familienwappen, da Theaterdirektor nicht adlig war. Er hat sich lediglich den Titel eines Geheimen
Kommerzienrats gekauft. Aber da er ein begeisterter Jäger war, wählte er den Hubertushirsch für seine Siegelmarken. Er ist das Symbol für den heiligen Hubertus, dem Schutzpatron der Jäger, Hunde und der Natur.
Aber warum ließ er für sich Marken in verschiedenen Farben herstellen? Der Grund dafür dürften die unterschiedlichen Adressaten sein, für die die jeweiligen Schriftstücke gedacht waren. Die schwarzen Marken waren dienten dem neutralen, formalen, alltäglichen oder administrativen Gebrauch, z.B, zum Bezahlen von Rechnungen oder Materialbestellungen, für die Verwaltungskorrespondenz oder den Briefverkehr mit Behörden. Die blauen Siegelmarken hingegen wurden für die private und gesellschaftliche Korrespondenz genutzt, für Grüße und Glückwünsche zum Geburtstag oder Jubiläen. Die roten Marken aber waren für ganz besondere Anlässe reserviert, zum Beispiel für Einladungen bedeutender Persönlichkeiten zu
Jagdveranstaltungen. Die größte Jagd fand jährlich zu Ehren des Geburtstags von Kaiser Wilhelm II. am 27. Januar statt. Aber auch der Erfolg zahlreicher Premieren am Metropol-Theater wurde in Saus und Braus mit den Sängerinnen und Sängern, Komponisten und Regisseuren auf Schluss Briesen gefeiert. Wer also eine Einladung mit einer roten Siegelmarke bekam, konnte sich auch ein besonderes Ereignis freuen.
Mit dem Tod von Schlossherr und Theaterdirektor Fritz Paul Jentz am 21. Februar 1928 endete auch die Geschichte der Siegelmarken für Schloss Briesen. Aber auch in der allgemeinen Praxis wurden die Siegelmarken mehr und mehr durch die Einführung einer einheitlichen Verwaltung und einer standardisierten Form der Dokumentenmarkierung, die sowohl Authentizität als auch Sicherheit gewährleistete, verdrängt. Heute sind diese Marken nur noch ein interessantes Sammelgebiet im Rahmen der Philatelie.
Jürgen Götze
Der Erd- und Eiskeller auf dem Gut Briesen
Das gemauerte Bauwerk mit Tonnengewölbe am Alten Schloss ist wohl das älteste erhalten gebliebene Bauwerk unseres Ortes
Der Eingang vom Keller (Foto ganz oben). Lageskizze vom Eiskeller (rechts oben). Der Trakt in der Nord-Süd-Achse unter dem Alten Schloss wurde vermutlich erst mit dem Schlossbau hinzugefügt. Das gemauerte Tonnengewölbe (links) sorgt bis heute für Stabilität.
Der Briesener Erd- und Eiskeller am Alten Schloss ist wohl das älteste erhalten gebliebene gemauerte Bauwerk des Ortes. Älter als das teilweise auf dem Keller stehende Alte Schloss selbst. Vermutlich war es ein von Stutterheim aus Golßen (Christoph von Stutterheim, gestorben 1641), der zu Beginn des 17. Jahrhunderts das Dorf Briesen erbte und das erste Rittergut aufbaute. Aus dieser Zeit stammt vermutlich der älteste Teil des Kellers, der Eingangsbereich und der quer zum Schloss ausgerichtete
Kellertrakt. Als im Jahr 1749 Joachim Seyfried von Schlieben, der bereits das Gut Oderin besaß, das Briesener Rittergut übernahmen, erweiterte er den Eiskeller und überbaute ihn teilweise mit einem neuen Gutshaus, einem verputzten Fachwerkbau. Die Ausrichtung des Eiskellers in einer Nord-Süd-Achse und das teilweise überbauen des Gewölbes war gut überlegt. So schien von Norden her keine Sonne auf den Eingang und die Südflanke des Kellers wurde durch das darüber gebaute
Gutshaus kühl gehalten. Der Keller ist teilweise mit einem Tonnengewölbe ausgestattet, um den Druck des darüber liegenden Gebäudetraktes bzw. der Erdschichten auszugleichen.
Das Eis für den Keller wurde von den nahen Mühlenteichen per Handkarren oder Pferdefuhrwerken herangeschafft. Heute stehen der Keller sowie das alte Gutshaus leider leer und verfallen zusehends immer mehr.
Jürgen Götze
'Möwe' und 'Zeder' landen auf dem Militär-Flugplatz in Brand
Valentina Tereschkowa und Juri Gagarin starteten am 17. Oktober 1963 ihren DDR-Besuch vom Bahnhof Brand in einem Sonderzug
*Valentina Tereschkowa nutzte das Funkrufzeichen Tschaika, russisch für Möwe, und Juri Gagarin wurde von der Bodenstation mit dem Rufnamen Kedir, russisch für Zeder, gerufen. Die Bodenstation selbst trug bei Gagarins Weltallflug den Namen Sarja-1, was für Morgenröte-1 steht. Beim ersten Flug der Menschheitsgeschichte ins All rief also die Morgenröte die Zeder im All.
Die sozialistische Presse quoll regelrecht über: Möwe und Zeder* besuchen die DDR! Der Jubel und die Aufregung um den Besuch der beiden Kosmonauten Valentina Tereschkowa und Juri Gagarin kannte keine Grenzen. Schon vor ihrer Ankunft am 17. Oktober 1963 überschlugen sich die Schlagzeilen und heizten die Stimmung an. Das war in diesem Fall eigentlich gar nicht nötig, denn der erste Mann und die erste Frau im All zogen die Massen magisch an. Das war auf dem Flugplatz der Roten Armee in Brand, auf dem die beiden Kosmonauten landeten, und vor dem Bahnhof Brand, von dem ab sie in einem Sonderzug der Reichsbahn nach Berlin fuhren, nicht anders. Ehrliche Begeisterung und knisternde Spannung erfüllten damals den Ortsteil von Briesen.
Die Flugplatz-Kommandantur hatte die Patenklassen und Patenbrigaden aus den umliegenden Dörfern und Städten zu dem Ereignis eingeladen. Besonderes Glück hatten all diejenigen, die direkt auf dem Rollfeld ihre Helden begrüßen durften. Dazu gehörten auch Schüler der POS Rietzneuendorf, darunter Heidi Dreiucker, der wir die Bilder zu diesem
Beitrag verdanken. Was auf diesen Fotos wirklich fasziniert, ist das strahlende Lächeln von Gagarin und Tereschkowa. Normalerweise müssten sie eigentlich fix und fertig sein, haben sie doch einen viele Stunden langen Flug von New York über Halifax (Kanada) und Prestwick (Schottland) nach Brand vom 16.10.1963 auf den 17.10.1963 hinter sich. Noch am 16. Oktober 1963 statteten die beiden auf Einladung von Generalsekretär U Thant der UNO-Vollversammlung gegen 10.30 Uhr (das ist 16.30 Uhr unserer Zeit) einen Besuch ab. Einen Tag später begrüßten sie Schüler, Lehrer und Arbeitskollektive in Brand. Das schaffen wohl nur Menschen, die auch fit für die Raumfahrt sind.
Diese Fitness hat ihnen auch geholfen, den Rest des DDR-Rundfahrt-Programms zu überstehen. Punkt 17.55 Uhr fuhr ihr Sonderzug im Berliner Ostbahnhof ein. Begrüßt wurden sie von Walter und Lotte Ulbricht und rund 80.000 begeisterten Berlinern. Ulbricht überreichte Valentina Tereschkowa einen Strauß roter Rosen, seine Frau empfing Juri Gagarin mit einem Bukett roter Nelken. Danach machten sich die Kosmonauten auf dem
Weg in ihr Nachtquartier im Schloss Niederschönhausen. Die Fahrt dorthin durch ein dichtes Spalier jubelnder Menschen dauerte fast zwei Stunden. Bereits am nächsten Tag, also am 18.10.1963, wurden Valentina Tereschkowa und Juri Gagarin herzlich in Erfurt begrüßt. Vermutlich hat man ihnen die mehrstündige Zugfahrt erspart und sie mit einer Sondermaschine hingeflogen. Am 19.10.1963 waren beide dann wieder zurück in Berlin. Hier besuchten sie dann im Walter-Ulbricht-Stadion das Länderspiel DDR – Ungarn um den Europa-Cup. Am 21.10.1963 gab Walter Ulbricht noch einen festlichen Empfang im Amtssitz des Staatsrates in Niederschönhausen für die beiden Stressgeplagten. Danach hatte die Rundtour ein Ende.
Vermutlich sind Valentina Tereschkowa und Juri Gagarin dann am 22.10.1963 wieder aus der DDR in ihre Heimat zurückgekehrt. Aber nicht, ohne am selben Tag dem Hauptquartier sowjetischer Truppen in der DDR in Wünsdorf, einen Besuch abgestattet zu haben .
Jürgen Götze
Die Post in Briesen
Ab 1. Mai 1855 werden im Dorf die Postsendungen regelmäßig täglich außer sonntags durch einen Landbriefträger zugestellt
In der „Bekanntmachung Nr. 76 der "Königlichen Ober-Post-Direction zu Potsdam“ vom 18. April 1855 wird „zur Kenntnis des betreffenden Publikums“ gebracht, dass das Dorf Briesen ab 1. Mai 1855 von der Königlichen Post-Expedition in Buchholz die Postsendungen regelmäßig täglich außer sonntags durch Landbriefträger zugestellt bekommt. Damit war erstmalig für eine postalische Versorgung der Einwohner von Briesen gesorgt. Auch Oderin, Freiwalde, Staakow und weitere Orte erhielten zu diesem Zeitpunkt Postanschluss.[1]
Nach Fertigstellung und Eröffnung der Eisenbahnlinie Berlin-Görlitz (31.12.1867) und der Einrichtung einer Post-Expedition II. Klasse auf dem Bahnhof in Brand, Reg. Bez. Frankfurt/Oder änderte sich umgehend die Postzustellung nach Briesen. Ab Januar 1868 kam die Post vom Bahnhof Brand zum Dorf und Rittergut Briesen sowie zur im Luckauer Kreise gelegenen Colonie Briesen.[2]
Interessant zur Postgeschichte dieser Gegend einschließlich Brand ist eine Mitteilung im Teltower Kreis-Blatt: „Die kleine Kolonie Brand, einsam im Walde gelegen, wird im Herbst um ein Beamtenwohnhaus reicher sein, die Mittel zum Bau sind in den diesjährigen Eisenbahnetat eingestellt worden. Für die hiesigen Postbeamten ein Wohnhaus zu bauen, hat sich ein Bauunternehmer aus Lübben bereit erklärt und hierzu bereits die Zustimmung der Ober-Postdirektion gefunden. Gegenwärtig zählt die Kolonie rund 50 Bewohner. Außer dem Bahnhofe, einem Wohnhaus für den Stationsverwalter und einem mit Wohnräumen versehenen Güterschuppen, sind auch vier Privathäuser vorhanden.
Die eine Hälfte des Bahnhofsterrains gehört zum Gutsbezirk Briesen, die andere zum Gutsbezirk Golßen, während auch einige Gebäude zur Gemeinde Briesen zählen. Brand ist Bahn- Post- und Telegraphenstation. Die Postagentur lässt täglich zwei Mal vier Briefträger die Briefe und Pakete im Umkreis von acht
Kilometern befördern. Auf einem viele Morgen großen Grundstück begegnet man hier einer Geflügelzuchtstätte in größeren Umfange. Für das leibliche Wohl der Bewohner und der Reisenden sorgen zwei Wirtschaften. Eine Chaussee von hier nach Krausnick fehlt leider immer noch; dem Unterspreewald würden dadurch ungezählte Besucher zugeführt werden.“[3]
Von 1906 ist uns etwas über die Arbeitsweise bei der Post überliefert. Der Briefträger August Albrecht aus Briesen berichtet über seine Arbeit bei der Preußischen Post: „Mein Hauptberuf zu jener Zeit war Briefträger in Märkisch Buchholz. Mein Tageslohn betrug 1,70 Mark, später dann 2 Mark. Dafür musste ich täglich rund 30 Kilometer Fußweg über Birkholz, Münchehofe bis nach Wotscherogge auch bei hohem Schnee mit der Briefpost bewältigen. Ein Fahrrad wurde von der Post nicht gestellt und ich selbst konnte mir auch noch keines kaufen.“[4]
In den Jahren 1929 und 1939 wird im Ortsregisterverzeichnis des Kreises Luckau aufgeführt, dass Briesen keine eigene Postanstalt hatte, sondern von Brand aus mit Post versorgt wurde.[5]
1931 wird im Buchholzer Stadtblatt angegeben, dass eine Kraftpost zwischen Halbe – Wendisch Buchholz – Altschadow – Staakow verkehrt. Diese Kraftpost müsste auch in Briesen eine Haltestelle gehabt haben, eventuell an einer kleinen Poststelle (Posthilfsstelle)?[6] 1935 war die Kraftpostlinie nach Staakow schon wieder eingestellt.
Es muss angenommen werden, dass die Post für Briesen bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts von Brand aus zugestellt wurde. Ab Januar 1958 kann belegt werden, dass die Post aus Märkisch Buchholz kam. Eine Postkarte vom 5.1.1958 trägt den Landpoststempel „Briesen über Märkisch Buchholz“ und die Entwertung der Briefmarke erfolgte in Märkisch Buchholz (siehe Foto oben links). Daher ist anzunehmen, dass kurze Zeit vorher - etwa1957 - eine
Landpoststelle im Dorf Briesen eröffnet wurde. Mit der Bildung des Hauptpostamtes Königs Wusterhausen am 1.10.1959 erfolgte eine Neuordnung der Versorgung der Postanstalten im Einzugsgebiet von Königs Wusterhausen. Die Poststelle II in Briesen wurde durch die motorisierte Kraftpost von Königs Wusterhausen versorgt, ebenso Oderin und Freidorf. Staakow und Brand sind zu diesem Zeitpunkt nicht mit aufgeführt und wurden demnach von Lübben aus angefahren.[7] Beide Landpoststellen (Briesen/über Königs Wusterhausen und Briesen-Brand/über Königs Wusterhausen) kamen 1961 wieder zum Einzugsgebiet von Königs Wusterhausen.[8]
Lange Zeit war die Poststelle im Dienstleistungskomplex in der Straße „Am Denkmal“ untergebracht, bevor sie Ende 1991 geschlossen wurde (siehe Foto oben rechts). Die letzte Poststellenverwalterin war Frau Gertrud Budick aus Oderin. Mit der Einführung von Postleitzahlen im Jahr 1964 erhielt das Dorf die PLZ 1601 und gehörte damit zum Landpostbereich Königs Wusterhausen. Bei der Umstellung auf fünfstellige Postleitzahlen am 1.7.1993 bekam Briesen die PLZ 15757 zugeteilt.
Wolfgang Pinkow
Stand: Oktober 2024
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Autors.
[1] Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin, Stück 17, 27. April 1855, S. 144.
[2] Amtsblatt der Königlichen Regierung zu Potsdam und der Stadt Berlin, Stück 6, 7. Februar 1868, S. 46-47.
[3] Teltower Kreis-Blatt vom 19.4.1901, Seite 3.
[4] aus: Die Kaiserjagd von 1906, Briesen bei Brand (3) Geschichte & Geschichten S. 94.
[5] Heimatkalender für den Kreis Luckau, 1929, 19. Jahrgang, S. 111 und Heimatkalender für den Kreis Luckau, 29. Jg., 1939, S. 44.
[6] Der Märker, Vereinigte Zeitungen, Teupitzer Anzeiger, Buchholzer Stadtblatt, 25. Jg., Nr. 158, Donnerstag, den 9. Juli 1931.
[7] Postamt Königs Wusterhausen, Postgeschichtliche Aufzeichnungen, Geschichtliche Entwicklung des Postamtes Königs Wusterhausen in den Jahren 1958/1959, ohne Autor und Jahreszahl, S. 40-41.
[8] Verzeichnis der Orte, Ortsteile und Wohnplätze in der DDR und deren postalischen Bezeichnung, Teil 1, Buchstaben A – L, Berlin 1961.
Die Post auf dem Bahnhof Brand
Ein Beitrag von Wolfgang Pinkow aus dem Heimatkalender für Königs Wusterhausen und das Dahmeland 2025
Die Veröffentlichung des Beitrages auf meiner Website erfolgt mit freundlicher Genehmigung von Wolfgang Pinkow. Vielen Dank dafür.
Freiwillige Feuerwehr Briesen bei Brand
Wie war es vor ihrer Gründung im Jahre 19331?
Bei einem Brand waren alle Bürger verpflichtet, löschen zu helfen, um weitere Gefahren abzuwenden. Dies erfolgte auf der Basis einer Pflichtfeuerwehr.
Aber auch in Briesen hatte man erkannt, daß sich ein Brand nur schwer löschen läßt, indem man das Wasser aus Eimern ins Feuer schüttet. Die ersten Methoden der moderneren Brandbekämpfung mittels einer Spritze sind in unserem Ort nach dem 1. Weltkrieg bekannt2. Der ehemalige Rittergutsbesitzer Jentz baute in den Jahren 1912/13 das neue Schloß, unsere heutige Zentralschule. In den Folgejahren ließ er (die alte Schule, heute Kindergarten), das Gerätehaus (siehe Foto rechts) für die Feuerwehr und das Denkmal bauen. Es sollte ein Geschenk des Rittergutbesitzers an die Gemeinde sein. Das Denkmal wurde im Jahre 19223 eingeweiht. In diesem Zeitraum ist auch das Gerätehaus, ortsüblich noch heute als Spritzenhaus bekannter, erbaut. Es wurde als Mehrzweckgebäude errichtet. Mit einem großen Raum zur Aufbewahrung der Löschgeräte, einem zweiten Raum mit separaten Tor als Leichenhalle und zur Aufbewahrung der Bestattungsgeräte und einen dritten Raum ebenfalls mit einer separaten Tür, als Zelle mit einem gemauerten Ofen zur kurzzeitigen Inhaftierung von Landstreichern.
Im Jahre 1970 wurde das Gerätehaus erweitert, hierzu wurde die ehemalige Leichenhalle ins Gerätehaus einbezogen, um unser Kleinlöschfahrzeug mit Nachläufer unterstellen zu können. Der Raum für die Aufbewahrung der Leichen im Spritzenhaus wurde nicht mehr gebraucht, da auf dem neuen Friedhof im Jahre 1953/54 eine neue Leichenhalle gebaut wurde. Auch vorher ist eine Benutzung kaum bekannt, da die Bestattungen immer vom Trauerhause aus erfolgten. Die vorhandene Zelle wurde ebenfalls liquidiert und dient heute als Vorratslager für Benzin und andere Materialien der Feuerwehr.
Nach dem Vorhandensein des Gerätehauses erhielt unsere Gemeinde die erste Handdruckspritze. Es war eine der zwei Handdruckspritzen des Rittergutes. Es war nicht festzustellen, ob sie vom Rittergut der Gemeinde verkauft oder als Geschenk überlassen wurde.
Somit befanden sich in unserer Gemeinde in diesem Zeitraum zwei Handdruckspritzen. Die des Rittergutes war die größere Ausführung als die der Gemeinde. Sie war abgestellt in der ehemaligen Wagenremise und zuletzt im ehemaligen Lokomobilraum des Gutes. Er ist heute Garage der LPG für den LKW. Diese Handdruckspritze, in den letzten Kriegsjahren sehr verwaist, wurde in den ersten Nachkriegsjahren in die Kreisstadt Luckau geholt, um im Notfall zu Einsatz zu kommen.
Die Ausbildung der Bürger an den Geräten bzw. die Handhabung der Handdruckspritze erfolgte jeweils am 3. Pfingstfeiertag eines jeden Jahres. Hier wurde die Funktionstüchtigkeit der Geräte überprüft und die Handhabung der Spritze und Armaturen erlernt und gefestigt.
Die Wasserentnahme erfolgte nur vom offenen Gewässer oder mittels einer Eimerkette, die von irgendeinem Brunnen den Kessel/Behälter der Handdruckspritze speiste. Mit Brunnen ist hier eine Pumpe gemeint, die auf jedem Gehöft vorhanden war. Zur Verbesserung der Löschwasserversorgung im Ort wurden im Jahre 1936 durch den Brunnenbaumeister Wohlfahrt aus Golßen in Briesen die ersten Feuerlöschbrunnen gebohrt. Die zahlenmäßige Erweiterung derselben setzte sich fort bis zum Bau des Feuerlöschbrunnens in Brand 1965.
Die Ausbildung der Pflichtfeuerwehr erfolgte in der Gemeinde für alle männlichen Bürger und auf dem Rittergut für alle männlichen Gutsangestellten. Der Ausbildungstag endete fast immer mit dem „Lösche“ des Durstes in der Gaststätte von Wanda Schulze. Bei diesen Aussagen stütze ich mich auf Befragungen des Kameraden Erich Pöschla. Er gehört seit 1935, also über 50 Jahre, der Freiwilligen Feuerwehr Briesen an. Er wurde im Jahr 1987 zum Oberlöschmeister ehrenhalber befördert.
Sicher wurde in dieser Pflichtfeuerwehr auch der Gedanke geboren, dass es eine gute, edle Aufgabe ist, anderen Menschen, die durch Feuer oder andere Gefahren bedroht werden, zu helfen. Diese Hilfe auf freiwilliger Basis zu leisten und Werte vor Feuer zu schützen, führte dann sicherlich, verbunden mit den Erfahrungen anderer Gemeinden, zur Gründung der freiwilligen Feuerwehr in Briesen.
Manfred Grothe
Einem Glücksfall ist es zu verdanken, dass neben stehender Beitrag aus den 1980er Jahren für die Chronik von Briesen wieder aufgetaucht ist. Der Autor Manfred Grothe (1934 – 1998), damals Mitglied im Rat der Gemeinde und in der Freiwilligen Feuerwehr, hat diesen Beitrag vermutlich in Absprache mit unserem Vater Gerhard Götze verfasst, der ebenfalls im Rat der Gemeinde aktiv war und dort u.a. für die Chronik von Briesen verantwortlich zeichnete.
Auch wenn nicht alle Fakten in diesem Beitrag korrekt sind, so ist er dennoch ein Zeitdokument zum Wissensstand der damaligen Zeit, enthält aber auch Fakten, die bisher nicht bekannt waren und äußerst interessant sind, so z. B. die Angaben zur Anlage der ersten Löschbrunnen im Ort.
Der Beitrag ist noch in der alten Rechtschreibung verfasst und so belassen worden. Die Fakten, die durch neuere Untersuchungen korrigiert werden konnten, sind durch mich gekennzeichnet und in drei Fußnoten (siehe unten) berichtigt worden.
Jürgen Götze
1 Die Briesener Feuerwehr wurde eindeutig vor 1933 gegründet. Sie ist aus der Gutsfeuerwehr von Schlossbesitzer Fritz Paul Jentz, die dieser im Jahr 1912 gegründet hatte, hervorgegangen.
Ein Beitrag dazu findet sich im 5. Teil der Chronik.
Im Luckauer Heimatkalender aus dem Jahr 1930 ist die Briesener Feuerwehr mit 30 aktiven Feuerwehrleuten (Stand 1929) aufgeführt (siehe Foto oben rechts).
2 siehe oben
3 Das Denkmal wurde im Jahr 1913 eingeweiht.
Als die DDR in Schnee und Dunkelheit versank
Orkanartige Böen und extreme Schneefälle brachten in der Silvesternacht von 1978 zu 1979 eisiges Chaos über das ganze Land
Leider gibt es vom Chaoswinter 1978/79 keine Fotos aus Briesen in meinem Archiv. Ich selbst hatte damals keine Kamera und kaum einer wird im Alltag Zeit und Muße gehabt haben, das Chaos zu dokumentieren. Einen kleinen Eindruck von den Schneemassen in Briesen erhält man aber durch Fotos von den Wintern 2009/2010 und 2010/2011. In diesen Wintern hatten wir etwa genauso viel Schnee wie 1978/79. Doch mit dem Unterschied, dass kein orkanartiger Sturm den Schnee an bestimmten Stellen meterhoch auftürmte. Er musste per Hand wie hier vor dem Schloss und rund um die Friedenseiche zu großen Bergen aufgeschüttet werden und zum Teil aus dem Ort herausgefahren werden, um die Straßen passieren zu können.
Fotos: Jürgen Götze
Als das Jahr 1978 zu Ende ging ahnte noch niemand, dass sich beginnend im Norden der Republik ein Naturereignis zusammenbrauen würde, das später als Chaoswinter 1978/79 in das kollektive Gedächtnis eingehen sollte. Auch wir in Briesen sollten binnen weniger Stunden erleben, wie unser Alltag im tobenden Weiß erstickte und in Dunkelheit versank.
Das meteorologische Ungeheuer, das sich zwischen Weihnachten und Neujahr entwickelte, entstand durch eine extrem kalte arktische Luftströmung aus Nordosten, die auf milde, feuchte Atlantikluft über Mitteleuropa traf. Als die Kaltluft immer weiter vordrang, wurde die milde Luft regelrecht angehoben. Die Folge: explosionsartige Schneefallgebiete, die von orkanartigen Böen durchfegt wurden. In der Neujahrsnacht setzte dann der Schneesturm ein, der in vielen Regionen als die schlimmste Wetterkatastrophe seit vielen Jahrzehnten beschrieben wird. Auch in Briesen wurden über Silvester und Neujahr die Schaufeln und Schneeschieber geschultert, um wenigstens die Straße zum Bahnhof in Oderin freizubekommen. Hier hatten sich zwischen Kuhstallkurve und dem kleinen Wäldchen vor Oderin meterhohe Schneewehen gebildet. Als ich am 8. Januar 1979 mit dem ersten Zug um dreiviertel Fünf ab Oderin wieder zur
Karl-Marx-Universität nach Leipzig fahren wollte, war die Straße zwar weitgehend frei, aber die Züge fuhren immer noch unregelmäßig. Mit rund drei Stunden Verspätung kam ich endlich im Berliner Ostbahnhof an. Und oh Wunder, ein Zug nach Leipzig stand am Bahnsteig bereit. Ich stieg ein, aber der Zug fuhr nicht los. Nach etwa einer halben Stunde kam die Aufforderung per Lautsprecher, den Zug wieder zu verlassen. Grund: Die Räder der Lok und der Wagen waren an den Gleisen festgefroren. Daraufhin fuhr eine Diesel-Lok kontrolliert auf den stehenden Zug auf und befreite ihn durch den Ruck, der durch den ganzen Zug ging, von seinen Eisfesseln. Wir mussten wieder schnell einsteigen, bevor der Zug erneut festfror. Wenige Minuten später ging die Fahrt Richtung Leipzig los. Der Zug war nicht beheizt, zwischen den Waggons, die damals noch einzeln aneinander gehängt waren und die Durchgänge zum nächsten Wagen nur mit Gummipuffer abgeschirmt waren, lag der Schnee noch in hohen Wehen. Er taute bis Leipzig nicht. Gegen 17 Uhr kam der Zug in Leipzig an. Auch die Straßenbahn zum Studentenwohnheim fuhr unregelmäßig, war ebenfalls nicht beheizt. Im Wohnheim in Leipzig-Lößnig angekommen, musste ich erfahren, dass der Unibetrieb bis auf weiteres eingestellt war und die Wohnheime nur
auf der Stufe Frostschutz beheizt wurden. Ich habe zuvor noch nie und danach nie wieder in meinem Leben einen ganzen Tag lang so gefroren wie an diesem 8. Januar 1979.
Aber das war nichts im Vergleich zum dem, was die Kumpel in den benachbarten Lausitzer Kohlerevieren durchzustehen hatten. Nicht nur sie froren sich den Hintern ab, sondern die noch feuchte Kohle fror an den Schaufeln der Radbagger fest. Dann, mühsam losgeeist, kamen sie in die Waggons, wo sie sofort wieder festfror und nicht entladen werden konnte. Aber die Kohle musste trotzdem in die Kraftwerke. Hier wurde die Kohle mit Hilfe von Jagdflugzeug-Triebwerken aufgetaut, um verheizt werden zu können. Denn es musste wenigstens so viel Strom produziert werden, um die DDR halbwegs auf Sparflamme am Leben zu erhalten. Die Lausitz deckte damals 60 Prozent des Energiebedarfs des Landes.
Der Chaoswinter 1978/79 hat die DDR um Jahre zurückgeworfen. Als sich dann der Winter 1985/86 mit 73 Frosttagen und einer Durchschnittstemperatur von minus 3,52 Grad und 63 Schneetagen über das Land legte, war zumindest wirtschaftlich das Ende der DDR besiegelt.
Jürgen Götze
Nur die Dorfstraße konnte einigermaßen vom Schnee befreit werden, die Bürgersteige blieben unberäumt, so dass sich Autofahrer und Fußgänger die Straße teilen mussten.
Foto: Jürgen Götze
Die Dahme hat ein neues Bett in den Eichbergen
Anschluss eines 260 Meter langen Altarms und die Schaffung von zwei neuen Flutrinnen ermöglicht eine neue Auenlandschaft
Von Staakmühle über Briesen, Teurow bis hin zur Einmündung in den Spree-Dahme-Umflutkanal bei Märkisch Buchholz verfügt unsere Dahme über einen der letzten naturnahen Flachlandflussabschnitte Südbrandenburgs. Das soll auch so bleiben und sogar wieder etwas besser werden. Messungen im Jahr 2017 hatten ergeben, dass sich die Dahme im „Dahmetal bei Briesen“* um 80 Zentimeter tiefer in ihr Bett eingegraben hat. Dadurch verlor der Fluss Anschluss an seine Auen. Das wirkte sich negativ auf die dort vorhandene Pflanzen- und Tierwelt aus. Deshalb wurde beschlossen, einen 260 Meter langen Altarm wieder an den Flusslauf anzuschließen und zwei Flutrinnen einzubauen. Auch neuen Buhnenstrukturen wurden geschaffen. Dadurch wird die Fließgeschwindigkeit verringert, der Fluss kann sich nicht mehr tiefer eingraben Der Altarm und mit ihm die Aue bleiben dauerhaft geflutet. Somit können sich wieder die für Auenlandschaften typischen Fische, Amphibien, Vögel, Säugetiere und Pflanzen ansiedeln bzw. ihren Lebensraum behalten. Heute leben hier Biber, Fischotter, Kammmolch, Hirschkäfer, Heldbock, Große Moosjungfer, Grüne Keiljungfer und Großer Feuerfalter. Der Biber hat sich ein Revier aufgebaut, das sich vom Briesener Seegraben entlang der Dahme bis nach Staakmühle erstreckt. Auch ein Fischotterrevier konnte nachgewiesen werden. Als besonders schützenswerte Arten kommen darüber hinaus Glattnatter, Grüne Mosaikjungfer und Abgeplattete Teichmuschel vor. Aber auch seltene Vögel wie Eisvogel, Mittelspecht, Neuntöter und Rotmilan.
Mittlerer Sonnentau und Sumpf-Porst machen die Palette seltener Naturschätze komplett.
Um diese Vielfalt zu erhalten und auch weitere vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen anzusiedeln, wurde aus dem zum großen Teil geraden Flussabschnitt also wieder ein mäandrierendes, naturnäheres Fließgewässer. Die Baumaßnahmen begannen im Herbst 2022 und wurden im Frühjahr 2023 abgeschlossen. Zuerst wurden Bäume gefällt, die im trocken gefallenen Altarm und in der Flutrinne wuchsen. Die gesamten Baumaßnahmen beschränkten sich nicht nur auf den 260 Meter langen Altarm, der wieder unter Wasser gesetzt wurde, sondern auf insgesamt 1,4 Kilometern entlang des
* Ein FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat-Gebiet) ist ein nach europäischem Recht geschütztes Gebiet, das dem Erhalt von wildlebenden Pflanzen- und Tierarten (Fauna und Flora) sowie ihrer natürlichen Lebensräume dient. Das Dahmetal bei Briesen ist rund 421 ha groß FFH-Gebiet und umfasst die Dahme-Niederung zwischen Staakow im Südwesten und Oderin im Nordosten. Im September 2000 wurde das Dahmetal bei Briesen als ein Gebiet gemeinschaftlicher Bedeutung vorgeschlagen und an die EU gemeldet. Im Dezember 2004 wurde es durch die EU bestätigt. Das FFH-Gebiet wurde damit Teil des europaweiten Schutzgebietsnetzes „Natura 2000“.
Dahmetals. Entstanden ist eine Flusslandschaft, die ihrem natürlichen Zustand nahe kommt. Damit bleibt uns ein Kleinod mit seltenen Tieren und Pflanzen erhalten. Jürgen Götze
Diese Flutrinne leitet die Dahme um ihr altes Bett herum (Foto ganz oben und Foto unten). Buhnenstrukturen regeln die Strömungsgeschwindigkeit in den Flutrinnen (Fotos in der Mitte).
Fotos: Sieghard Walter; Jürgen Götze
Fundstück 1: Ansichtskarte vom Gasthof August Schulze
Das Foto stammt vermutlich aus den 1910er Jahren. Heute zeigt sich das gastliche Haus ganz anders. Der linke Giebel wurde bis einschließlich des ersten Fensters von links abgetragen und dann der heute noch stattliche Saal angebaut. August Schulze und seine Gastwirtschaft profitierte wohl vor allem von der Einkehr der gut bezahlten Arbeiter, Angestellten und Beamten auf dem Gutshof von Theater-Direktor Fritz Paul Jentz. Damit konnte er sich diesen aufwendigen Anbau leisten.
Fundstück 2: Fischzug auf dem Teich der Staakmühle
Das Foto stammt vermutlich aus der Mitte der 1960er Jahre. Es zeigt eine Gruppe Jäger aus Rietzneuendorf, die hier mit zwei kleinen Booten auf Fischzug gehen. Links in der Mitte des Bildes sieht man die Schwimmer, die das Stellnetz in Position halten. Ob der Fischzug erfolgreich war, ist leider nicht überliefert.
Foto: privat, Heidi Dreiucker
Fundstück 3: Inseln auf dem großen Staakmühler Mühlenteich
An diesem Postkartenfoto überrascht die Entdeckung, dass es einst auf dem großen Mühlenteich an der Staakmühle zwei kleine runde Inseln gab. Welchem Zweck sie dienten ist nicht ersichtlich. Da das flache Sägewerksgebäude links des Mühlengebäudes noch vorhanden ist, muss diese Ansichtskarte aus den 1910er Jahren stammen. Anfang der 1920er Jahre ließ der neue Mühlenbesitzer Rudolf Zimmer das kleine Sägewerk abreißen und errichtete an dieser Stelle ein neues Gebäude für eine 5-Tonnen-Mühle mit 2 Stühlen und eine 15-Tonnen-Mühle mit sechs Doppelstühlen.
Foto: Archiv Götze
Fundstück 4: Eine Karte kehrt aus Japan zurück in die Heimat
Briesens Bäckermeister Ernst Haschenz hatte es Ende der 1920er Jahre schon geahnt: Seine Ansichtskarte wird den Sohn Ernst im Fernen Osten auf Grund der vagen Adresse und des Transports via Sibirien wohl nicht erreichen. Er schreibt: „Durch die verzwickten Adressen und der langen Dauer der Beförderung kann es vorkommen, daß du oft kaum Post von uns empfängst, was du dann schon entschuldigen mußt.“ (Foto Mitte oben). Sein Sohn Ernst arbeitete vermutlich auf einem Dampfschiff des Norddeutschen Lloyd, das wohl des öfteren den Hafen in Moji anlief. Moji ist ein Stadtteil von Kitakyushu auf der Insel Kyushu in Japan und liegt an der nördlichen Spitze der Insel. Die Lage von Moji ist strategisch wichtig, da die Stadt an einer Meerenge liegt, die die Inseln Honshu und Kyushu trennt. Darum ist dieser große Übersee-Hafen so hervorragend gelegen für
den internationalen Handel, damals wie heute. Das rief schon anfangs des 20. Jahrhunderts die Sicherheitskräfte auf den Plan. Sie stellten fest, dass die Daten des Empfängers zu ungenau und wohl auch sehr verdächtig sind und deshalb
ein Empfängerprotokoll der Karte an den Kaiser gesandt wurde (Foto Mitte unten, mit KI übersetzt).
Danach wurde die Karte wieder auf den langen Weg nach Hause in Briesen, Post Brand N.L. (Postleitzahlen wurden erst 1964 eingeführt) geschickt, wo sie schließlich nach mehreren Monaten wieder ankam (Foto oben rechts).
Zum Glück für uns heute, denn dadurch wissen wir, dass einige Briesener schon zu diesen Zeiten abenteuerlustig die Welt bereisten, eine Art „Work and Travel“.
Und gut für die Chronik: Wir haben ein Foto von der Bäckerei Haschenz vor der Aufstockung ihres Anwesens in der Dorfstraße 3, vom Schloss Briesen aus der Parkperspektive und ein Blick auf die Mühle in Staakmühle aus Richtung Staakow kommend gesehen (siehe Foto oben links).
Jürgen Götze
Fundstück 5: Eine Heinkel 51 auf dem Fliegerhorst Briesen-Brand
Fotos: Archiv Jürgen Götze
Das Foto einer Heinkel 51oben links ist der bisher einzige bekannte Bild-Nachweis für einen Flugbetrieb auf dem Wehrmachtflughafen in Brand. Das Flugzeug steht auf der Start- und Landebahn auf Rasen.
Diese Rollbahn wurde mit Torfaushub vom Stieten-und Baggersee in Briesen ab dem Jahr 1939 angelegt. Der Ausbau des Fliegerhorstes Brand/Briesen begann aber schon im Jahr 1938 mit der Errichtung einer Kasernenanlage und eines Anschlussgleises an die Berlin-Görlitzer-Bahn. Der Fliegerhorst Brand bei Cottbus war während des Zweiten Weltkriegs ein wichtiger Ausbildungsflugplatz, der ab 1939 als Teil des Flieger-Ausbildungs-Regiments 82 diente und seit dieser Zeit als
Flugzeugführerschule A/B 3 die Ausbildung von Piloten für die deutsche Wehrmacht übernahm. Als Ausbildungsmaschinen dienten die abgebildeten Heinkel-Flugzeuge.
Die Serienproduktion der He 51 begann im Februar 1935 und endete bereits im Dezember 1936. 1935 wurden 178 und 1936 320 He 51 hergestellt, insgesamt rund 510 Maschinen, wenn man die vorab produzierten Nullserien mitrechnet. Sie eigneten sich wegen ihrer einfachen Bauweise zur Pilotenausbildung, zumal sie für den Takeoff nur eine 100 Meter lange Startbahn benötigten, für die Landung nur 150 Meter. Diese Voraussetzungen konnten in Brand relativ schnell geschaffen werden.
Allerdings schien die Unterbringungskapazität der Kasernenanlage nicht ausreichend gewesen zu sein. Denn einige Flugschüler mussten Quartier in den umliegenden Dörfern nehmen, wie z.B. in Briesen. Das Foto rechts zeigt zwei Flugschüler mit den Kindern Christa, Walli und Brunhild ihrer Quartiergeber in der Staakmühler Straße.
Der Flugbetrieb in Brand wurde am 30. September 1944 eingestellt. Ein Grund dafür: Der Bestand an Heinkel-51-Maschinen war von über 500 Stück wegen Abschüssen und Verkäufen auf nur noch acht geschrumpft. Da zeichnete sich die Niederlage der Wehrmacht schon längst ab.
Jürgen Götze
Fundstück 6: Milchbänke gab es noch in den 1960er Jahren im Ort
Foto: Karl Walter
Wenn man heute über die Spreewald-Dörfer fährt, wird man fast in jedem Dorf eine Milchbank entdecken, zum Teil sogar noch mit alten Aluminium-Kannen darauf. Sie erinnern an die Zeit, in der die privaten Bauernwirtschaften ihre erzeugte Milch zur Abholung auf die an den Straßen verteilten Milchbänke stellten. Die Kannen waren mit Zahlen oder dem Namen der Bauern beschriftet.
Das war in Briesen früher auch genau so. Dann holte ein Pferdefuhrwerk sämtliche herausgestellten Kannen ab und fuhr sie über Oderin vorbei am Oderiner See zur Molkerei nach
Märkisch Buchholz. Dort wurde sie zu Quark, Butter, Sahne und Käse weiterverarbeitet und wieder in die Läden der Ortschaften ringsum geliefert. Ich kann mich noch erinnern, dass ich als kleiner Steppke mit vier oder fünf Jahren oft die Tour von Briesen nach Märkisch Buchholz mitgemacht habe. Für mich ein großes Abenteuer, für den jeweiligen Kutscher eine willkommene Ablenkung von der täglichen Routine.
Die oben abgebildete Milchbank stand vor dem Haus in der heutigen Straße Unter den Linden 27 und wurde u.a. vom Bauern Karl Walter genutzt.
Foto: Jürgen Götze
Ihm verdanken wir auch das große Foto oben aus den 1960er Jahren. Das untere Foto zeigt eine historische Milchbank im Spreewalddorf Raddusch. Jürgen Götze
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